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< Die Schattenwelt der Makler
30.04.2011 10:28 Alter: 7 yrs
Kategorie: Pressestimmen
Von: Lara Sogorski

Der gute Makler

Der Immobilienvermittler Harald Blumenauer mischt seine Zunft auf. Bei ihm zahlt nicht der Käufer, sondern der Verkäufer die Provision. Ein Zukunftsmodell? (stern, 15/2011)


Es gibt sie noch – echte Helden. Zum Beispiel Harald Blumenauer, 58 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, aus Bad Soden im Taunus. Von Beruf ist er Makler.
Ja, Makler.
Harald Blumenauer hat das Geschäftsmodell seiner Zunft auf den Kopf gestellt: Er verlangt keine Provisionen, stattdessen einen Festpreis. Bei ihm zahlt immer der Verkäufer – nie der Käufer. Sein Modell heißt „iMakler“ und geht so: Wer eine Immobilie verkaufen will, überweist Blumenauer 995 Euro. Dieser Betrag ist fix – egal, ob eine kleine Wohnung oder eine Villa veräußert werden.
Für diesen Festpreis garantiert iMakler Blumenauer folgende Leistungen: Die Immobilie wird begutachtet. Ihr Wert mit dem Eigentümer festgelegt. Sie wird im Internet auf den gängigen Portalen, der Homepage von iMakler und bei Facebook präsentiert. Außerdem begleitet Blumenauer den Verkäufer bei Vertragsabschluss zum Notar.
Der Hesse hat das iMakler-Modell vor drei Jahren bei seinen Kollegen in den Niederlanden abgeschaut. Damals startete er mit nur fünf Kunden. Inzwischen hat er Aufträge in nahezu allen Bundesländern. Über 300 Kaufangebote stehen auf seiner Homepage (www.iMakler.de). Eine Handvoll anderer Makler hat sich ebenfalls entschlossen, Blumenauers Weg zu gehen. Dazu gehören zum Beispiel Villavendo in Schleswig-Holstein und Hamburg sowie Easy-Makler an Rhein und Ruhr.

Natürlich zieht sich diese kleine Rebellenschar den Zorn ihrer rund 40 000 deutschen Kollegen und des deutschen Immobilienverbandes (IVD) zu. Blumenauer hat Drohanrufe bekommen: „Verschwinde aus Deutschland, sonst wirst du noch sehen, was passiert!“
Für die Zunft geht es um viel Geld: In Hamburg kassiert ein Makler für die Vermittlung einer 110 Quadratmeter großen Eigentumswohnung rund 25 000 Euro vom Käufer. In München muss der Käufer für ein vergleichbares Objekt rund 19 000 Euro auf den Tisch legen und in Frankfurt immerhin noch 14 000 Euro. Die Höhe der Provision variiert von Stadt zu Stadt und von Bundesland zu Bundesland. Ein gesetzliches Limit nach oben gibt es bei Verkäufen nicht. Der Höchstsatz ist allerdings in der Regel bei sechs Prozent des Kaufpreises erreicht – zuzüglich Mehrwertsteuer. Bei Vermietungen darf ein Makler maximal zwei Monatskaltmieten verlangen. Was er dafür tun muss? Lediglich nachweisen, dass er es war, der die Gelegenheit zum Vertragsabschluss zwischen Käufer und Verkäufer geschaffen hat.
Trotz horrender Provisionen werden in Deutschland immer noch 30 bis 40 Prozent aller Verkäufe und Vermietungen über einen Makler abgewickelt. Im Februar dieses Jahres diskutierte der Bundestag über die Maklerprovisionen bei Vermietungen. Die SPD forderte, dass sich Vermieter und Mieter die Kosten künftig teilen sollten. Die Grünen schlugen vor, die Kosten ganz dem „Besteller“ des Maklers anzulasten. Beide Anträge wurden von den Regierungsparteien abgelehnt. Kurios die Begründung des CDU-Abgeordneten Jan-Marco Luczak: Er habe eine Wohnung in Berlin gefunden – provisionsfrei! Wozu also eine Regulierung, wenn es auch ohne geht?, fragte er allen Ernstes.
Makler Blumenauer ist von seiner Geschäftsidee fest überzeugt, auch wenn er glaubt, dass er irgendwann mit seinem Fixpreis nicht auskommen wird: „Langfristig muss der pro Vermittlung eher bei 1500 Euro plus einer Erfolgskomponente liegen.“ Seit seinem 16. Lebensjahr arbeitet er im Immobiliengeschäft. Schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater haben mit Haus- und Wohnungsvermittlungen ihr Geld verdient.
Auch sein Bruder Claus Blumenauer arbeitet als Makler im Großraum Frankfurt – allerdings als „ganz normaler“. Von dem Modell iMakler sei er zwar grundsätzlich überzeugt, lieber warte er aber noch, bis sich das Modell weiter verbreitet habe. Bruder Harald sagt mit einem Zwinkern: „Er ist eben weniger ein Revoluzzer als ich.“

 


 
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