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10.02.2011 09:30 Alter: 7 yrs
Kategorie: Pressestimmen
Von: Richard Haimnann

Makler fordern geringere Courtage

Im internationalen Vergleich sind die professionellen Immobilienvermittler in Deutschland sehr teuer. Das verstärkt den Trend zum Privatverkauf. Manche Makler rufen deshalb den Gesetzgeber zur Hilfe. (FTD, 10.02.2011)


Wer eine Immobilie kaufen oder mieten möchte, kommt an einem Makler oft nicht vorbei. Seine Dienste lässt sich der Vermittler bezahlen, und gerade in Deutschland sind die Gebühren üppig. Laut einer Studie des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) von 2006 müssen Käufer eines 300.000 Euro teuren Eigenheims hierzulande bis zu 24.400 Euro Courtage inklusive Mehrwertsteuer zahlen, während sich britische Makler mit 6000 Euro begnügen.

Was ein Makler bei Immobilientransaktionen verlangen darf, ist in Deutschland gesetzlich nicht geregelt. Die Spanne liegt zwischen fünf und sieben Prozent. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Anders ist die Sache bei Vermietungen. In dem Fall ist laut Gesetz die Courtage auf zwei Monatskaltmieten zuzüglich Umsatzsteuer begrenzt.

An der Gebührenhöhe stören sich inzwischen selbst Vertreter aus der Maklerbranche. "Die hohen Provisionen schaden auch den Vermittlern", sagt Raimund Wurzel, Geschäftsführer des Deutschen Immobilienberaterverbunds (DIV), dem bundesweit rund 70 Vermittler angehören.

Weil viele Käufer und Mieter die Courtage nicht zahlen wollten, müssten immer mehr Eigentümer ihre Immobilien selbst verkaufen oder vermieten. "Nur noch jedes zweite Eigenheim und jede zweite Eigentumswohnung wird über einen Makler vermittelt", so der DIV-Chef. Bei der Wohnungsvermietung ist nach Angaben des Immobilienverbands Deutschland (IVD) ein Makler nur bei einem Drittel der Fälle dabei.

Anders sei die Situation im übrigen Europa sowie in Kanada und den USA, wo die Provisionen durch gesetzliche Regelungen niedriger seien. "In diesen Ländern werden fast alle Immobilientransaktionen über Makler abgewickelt", sagt Wurzel. Die Bundesregierung sollte deshalb ebenfalls gesetzliche Regelungen aufstellen und sich an den USA orientieren. "Dort tragen immer Verkäufer und Vermieter die Provision", so Wurzel. Damit werde der Tatsache Rechnung getragen, dass Makler fast immer für Verkäufer oder Vermieter tätig seien.

 "Wer die Musik bestellt, muss auch bezahlen" , sagt Wurzel. Die meisten DIV-Makler würden nach dem Prinzip verfahren. Zwischen vier und sechs Prozent verlangen sie vom Verkäufer. Von denen würden zwar einige die Courtage auf den Verkaufspreis draufschlagen. Die Käufer würden dabei jedoch indirekt profitieren, da sie die versteckte Provision über den Kredit finanzieren können und nicht mit ihrem Eigenkapital bezahlen müssten.

Der Immobilienvermittler Harald Blumenauer verlangt mit seinem Unternehmen iMakler ebenfalls nur vom Verkäufer eine Courtage - und zwar ein Festhonorar von 995 Euro. Nach Anlaufproblemen findet das Modell immer mehr Zuspruch. "Wir haben einen Auftragsbestand im Volumen von 320 Mio. Euro", sagt Blumenauer. "Immer mehr Verkäufer erkennen, dass sie einen höheren Preis für ihre Immobilie erzielen, wenn sie selbst die Provision tragen."

Die Chancen für eine Änderung des Maklerrechts stehen jedoch schlecht. Gerade lehnten Union und FDP einen Gesetzesantrag der SPD ab, wonach Mieter und Vermieter sich die Provision teilen sollten. Die Grünen scheiterten mit ihrem Antrag, dass Vermieter die Courtage allein tragen müssten. Solange die Mieter die Courtage zahlten, würden Vermieter nicht auf die Dienste eines Maklers verzichten, argumentiert Daniela Wagner, wohnungspolitische Sprecherin der Grünen. "Dies stellt eine Verlagerung betriebswirtschaftlicher Kosten zuungunsten der Mieter dar."

Der mit 6000 Mitgliedern größte Maklerverband IVD lehnt eine gesetzliche Regelung ab. "Sie wäre ein erheblicher Eingriff in die Vertragsfreiheit", sagt IVD-Präsident Jens-Ulrich Kießling. Keineswegs müssten überall Käufer und Mieter die Courtage tragen. In einigen Regionen Süd- und Ostdeutschlands würden sich Käufer und Verkäufer traditionell die Provision teilen. In Orten, in denen das Angebot die Nachfrage übertreffe, würden häufig allein die Vermieter oder die Verkäufer die Makler bezahlen, so Kießling. Dort würde eine Zwangsteilung der Provision Mieter und Käufer sogar schlechter stellen.